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Eine Folge des Ersten Weltkrieges war 1918 die Errichtung eines Kunstgebildes namens »Tschechoslowakei«. Seit Januar 1993 gehen knapp 16 Millionen Tschechen und Slowaken wieder getrennte Wege.
Die gut eingespielte Staatsbahn CSD zerbröselte ihrerseits in CD für den reicheren Westteil und ZSR für den rückständigen Osten. Tschechien erlebte in den zurückliegenden Jahren einen satten Aufschwung und marschiert mit Riesenschritten einer Aufnahme in die Europäische Union entgegen. Zum wirtschaftlichen Wohlergehen trägt, dank der tollen Sehenswürdigkeiten, auch der Fremdenverkehr bei, wobei die Hauptstadt Prag das mit Abstand beliebteste Ziel ist.

Dank an Heiko Focken für den nachfolgenden Text und Foto.

TSCHECHIEN

allgemein: Die CD (Ceske drahy, tschechische Eisenbahn) macht den Eindruck einer "richtigen", lebendigen Eisenbahn. Es macht einfach Spaß, den Euro-City zu verlassen und mit einen ganz normalen Schnell- oder Eilzug durch´s tschechische Hinterland zu fahren - es ist ungemein interessant, und reizvoll dazu! Gut besetzte, aber bis auf einige Nachtverbindungen zumeist nicht überfüllte Züge, ein dichtes Streckennetz, moderate Fahrpreise, und auch auf kleineren Stationen herrscht reges Treiben, man erhält Auskünfte und Fahrkarten. Alles wirkt bis auf einige ältere Eisenahnwagen recht gepflegt, aber nicht geleckt. Die Züge fahren nicht schnell, doch recht zügig. Wenngleich es keinen Taktverkehr gibt, ist das Zugangebot recht dicht und die Anschlüsse in den Knotenbahnhöfen erstaunlich gut.
Zuch Das Tschechische Eisenbahnnetz gehört zu den dichtesten in Europa. Nahezu alle Orte und Regionen sind mit dem Zug erreichbar, wobei auch auf der Nebenstrecke ein dichtes Zugangebot besteht - in Europa nicht selbstverständlich. Folgende Zuggattungen gibt es:

  • SC: "Super-City": davon gibt es nur ein Zugpaar für Geschäftsreisende nach Prag. Es führt nur die 1. Klasse und ist zuschlagpflichtig. Für Inter-Railer uninteressant.
  • EC: "Euro-City": Verkehren auf der Achse Berlin - Prag - Wien / Budapest sowie Warszawa - Breclav - Wien. Zuschlag in der 2. Klasse: 60 Kronen.
  • IC: "Inter-City": Verkehren nach Deutschland, Polen und die Slowakei. Zuschlag: 30 Kronen.
  • Ex: "Express": Tagesverbindungen von und nach Prag sowie nach Polen. Zuschlagfrei.
  • R: "Rychlik": Gewöhnlicher Schnellzug, verkehrt überall im Land. Zuschlagfrei.
  • Sp: "Spesni vlak": Eilzug, verehrt überall im Land. Zuschlagfrei.
  • Os: Osobni vlak: Bummelzug, hält überall und daher nicht besonders schnell. Für längere Strecken nur bedingt zu empfehlen.

Inter-Rail lohnt sich in Tschechien nicht. Auch nach einer Fahrpreiserhöhung Anfang 2002 sind Einzelfahrten recht preiswert. Wer öfter in Tschechien reist, sollte sich mit Passbild, Ausweis und 200 Kronen bewaffnen und sich die "Karta Z" am Schalter besorgen. Diese gewährt für ein Jahr 35% Ermäßigung auf den Fahrpreis 1. und 2. Klasse. Für längere Tschechien-Aufenthalte gibt es preiswerte Wochenkarten: 1 Woche Gesamtnetz kosten 900 Kronen (ca. 53 DM) in der 2. Klasse bzw. 1.350 Kc (80 DM) in der 1. Klasse. Es gibt zwei Speisewagenbetreiber: "JLV" für die EC/IC-Züge ins Ausland mit Speisen zu gepfefferten Preisen. In den zumeist blauen Speisewagen der Firma "Urblik" des Binnenverkehrs erhält man dagegen eine reichhaltige Mahlzeit für umgerechnet rund 5 Euro.

Reservierungen

Eine Sitzplatzreservierung kostet 20 Kronen. Platzkartenpflichtige Züge gibt es i.d.R. nicht. Die Züge, in denen reserviert werden kann, sind im Kursbuch durch ein "R" unter der Zugnummer gekennzeichnet. In Zügen des Binnenverkehrs werden reservierte Plätze am Abteil jedoch nicht angezeigt.

Zuschläge siehe oben.

Nachtzüge

Nachtverbindungen bestehen nach Polen, die GUS, Deutschland, die Slowakei, Ungarn sowie einigen Balkanstaaten. Da die Sitzwagen zumeist nur feststehende Sitzbänke z.T. in 8-er-Abteilen besitzen, ist eine Nachtfahrt im Sitzwagen nur bedingt zu empfehlen, zumal die Züge mitunter recht voll werden. Für die langen Auslandsstrecken, etwa in die hohe Tatra oder auf den Balkan, sollte man ruhig die paar Kronen für einen Liegewagen opfern. Auch Schlafwagenplätze sind für weniger als 30 DM zu haben - aber nur bei Kauf im Land.

Auslandsverbindungen

Neben den Hauptstrecken gibt es noch eine ganze Reise grenzüberschreitende Nebenbahnen, die ausnahmslos sehr reizvoll sind. Auch im Verkehr mit der Slowakei wird kontrolliert. Deutsche Pässe bzw. Personalausweise sind aber für die meisten Grenzer uninteressant.

Fahrplanauskunft

Das tschechische Kursbuch "Jidzni rad" ist sehr übersichtlich aufgebaut und für 79 Kronen an größeren Bahnhöfen erhältlich. Es hat Taschenbuchformat und ist daher sehr handlich. Für Inter-Railer empfiehlt sich das Europa-Kursbuch der Deutschen Bahn, welches in Tschechien auch kleinere Strecken enthält. Daneben ist die Fahrplanauskunft einschließlich der Busverbindungen über die Homepages der CD (www.cdrail.cz) im Internet abrufbar (auch auf Deutsch)

Währung

1 Krone = 100 Heller.
100 Kronen entsprechen ziemlich genau 3 Euro, für 10 Euro erhält man etwa 340 Kronen.

Essen

Die böhmische Küche rechtfertigt bereits eine Reise in die tschechische Republik! Saftige Mahlzeiten mit Fleisch, böhmischen Knödeln ("knedliky") und Salat in allen erdenklichen Variationen erhält man für wenig Geld (ca. 100 bis 150 Kronen) im "Restaurace".

Lebenshaltungskosten

Die Kosten für Lebensmittel ("potraviny") liegen ein wenig unter dem europäischen Durchschnitt. Importware kann jedoch recht teuer sein. Preiswert sind Dienstleistungen wie z.B. öffentliche Verkehrsmittel oder Friseurbesuche.

Einreise

Es genügt der Personalausweis oder der Reisepass. Manchmal wird man als Bahnreisender auch gar nicht kontrolliert.

Übernachtung

In nahezu jeder kleineren Stadt finden sich preiswerte Hotels und Pensionen. In größeren Städten werden auch von Privatpersonen direkt auf dem Bahnhof Übernachtungen angeboten. In den touristisch bedeutsamen Regionen der Gebirge und entlang der Flüsse gibt es zahlreiche Campingplätze. Wildes Campen wird nicht so gerne gesehen.

Sehenswerte Städte

Absolutes Highlight ist die Hauptstadt Praha/Prag! Pulsierendes Leben in einer nahezu komplett erhaltenen mittelalterlichen Altstadt, es spielen Straßenmusikanten, und unzählige Künstler, kleine Läden und Restaurants in den kopfsteingepflasterten Gassen erzeugen ein Fluidum, welches jeden Besucher sofort erfasst und mitnimmt in die Welt lebendiger Vergangenheit. Und über allem thront der Hradschin, die Prager Burg. Nicht zuletzt der ausgesprochen reizvollen Umgebung wegen sind die ehrwürdigen Staatsbäder Karlovy Vary, Marianske Lazne und Frantiskove Lazne im böhmischen Bäderdreieck sehenswert. Im Osten lohnen die kleinen Städte wie Trutnov oder Hradec Kralove südlich des Riesengebirges einen Besuch, die sich bis heute den Charakter der k.u.k-Monarchie bewahrt haben. Im Süden ist Brno mit seiner gepflegten, lebendigen Innenstadt zu empfehlen.

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