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Bulgarien

Bulgarien

Mit der Reichsbahn gen Osten

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Daß dieses Land zwischen Donau, Schwarzem Meer und Rhodopenkette 500 Jahre lang die sicherste europäische Besitzung des Osmanischen Reiches war, wird auf Schritt und Tritt deutlich - schon viel mehr als das Regime der stalinistischen Betonköpfe, das sich in Bulgarien am längsten gegen Veränderungen stemmen konnte.
Auch wenn Ihr die Landessprache nicht versteht: Bulgaren sind stets um Hilfe bemüht, und in Städten sind Englischkenntnisse verbreitet.

Dank an Heiko Focken für nachfolgenden Text und Foto:

Allgemein

Das bulgarische Eisenbahnnetz ist auch in den bergigen Regionen des Landes vergleichsweise dicht geknüpft. An Hauptlinien gibt es mehrere in Ost-West-Richtung verlaufende Strecken, eine eindrucksvolle, das Balkangebirge in Nord-Süd-Richtung überquerende Gebirgsbahn sowie die Strecken nach Griechenland und Jugoslawien.
Das Fahrplanangebot erinnert an die Deutschen Reichsbahn von vor 1990.
Taktverkehre gibt es nicht, insbesondere auf einigen Nebenstrecken verkehrt lediglich eine Handvoll oder weniger Züge am Tag. Man sollte also vorher ein Blick in den Fahrplan werfen, sonst kann es passieren, dass man irgendwo für mehrere Stunden im Hinterland strandet. Die Züge sind in der Regel recht gut besetzt, allerdings erreichen auch Schnellzüge selten höhere Durchschnittsgeschwindigkeiten als 70-80 km/h.
Trotzdem weckt eine Fahrt mit der bulgarischen Eisenbahn oftmals heimatliche Gefühle: Die Schnellzüge bestehen oft aus gebraucht aus Deutschland übernommenen Abteilwagen der Reichsbahnbauart, welche mit Ausnahme der rot-weißen Außenlackierung unverändert eingesetzt werden. So kann man auch bei einer Fahrt über den Balkan durchaus auf Werbung der Deutschen Bahn AG oder den Liniennetzplan des Verkehrsverbundes Oberelbe stoßen. Die aus der Sowjetunion stammenden Großdieselloks der Baureihe 07 sind nahezu baugleich mit den in ganz Deutschland eingesetzten Maschinen der Baureihe 232. Die Züge auf den Hauptbahnen sind mitunter recht verspätungsanfällig. Man sollte nicht mit knappen Umsteigezeiten kalkulieren.

Auf den Nebenbahnen wird dagegen recht pünktlich gefahren. Sehr bereisenswert ist die das Balkangebirge mit Kehrtunneln und Brücken überquerende Strecke vom Bahnknoten Gorna Orjahovitza (Strecke Varna - Sofija) in den Süden des Landes, der Iskar-Durchbruch östlich Sofijas an der Strecke nach Varna und vor allem die Schmalspurbahn von Septemvri (Schnellzugstation an der Hauptbahn Sofija - Plovdiv) hinauf nach Bansko und Dobrinischtje, welche sich in atemberaubender Fahrt mit 35 Tunneln durch die Schluchten der Rhodopen windet.

Reservierungen, Zuschläge

Reservierung ist in den Expresszügen (davon gibt es etwa vier Zugpaare) vorgeschrieben, kann für 2,50 Lewa, entspricht 2,50 DM/1,25 Euro, aber auch im Zug nachgezahlt werden. Daneben kann in den meisten Schnellzügen reserviert werden. Reservierte Plätze werden aber am Abteil nicht angezeigt. Die normalen Fahrpreise sind für unsere Verhältnisse sehr niedrig, Inter-Rail oder Euro-Domino lohnen sich kaum: Die teuerste in Bulgarien überhaupt mögliche Eisenbahnfahrt kostet rund 18 Euro.
Nachtzüge verkehren u.A. von Sofija nach Varna und Burgas, von Varna nach Plovdiv sowie von Ruse an der rumänischen Grenze in die Rhodopen nach Momtschilgrad. Hinzu kommen die internationalen Verbindungen von und nach Griechenland, die Türkei, Jugoslawien und Rumänien. Ein frisch bezogenes Bett im Schlafwagen im kostet im Binnenverkehr im 3-Bett-Abteil 7,70 Lewa, also etwa 3,90 Euro Aufpreis, im 1- oder 2-Bett-Abteil (mit 1.-Klasse-Fahrschein) 9,90 Lewa, also rund 5 Euro Aufpreis - unbedingt empfehlenswert.
Auch die Schlafwagen sind i.d.R. ehemalige Mitropa-Wagen aus Deutschland und im Gegensatz zu manch einem Sitzwagen zumeist auch sauber und gepflegt.

Auslandsverbindungen

Direkte Verbindungen (auch Kurswagen) bestehen mit Ungarn, Rumänien, der Türkei, Griechenland, Jugoslawien und einigen Staaten der ehem. Sowjetunion sowie in den Sommermonaten mit der Tschechischen Republik und der Slowakei. Die von Deutschland aus durchlaufenden Kurswagen im "Orient-Express", im "Kalman Imre" und im "Pannonia-Express" gibt es nicht mehr.

Fahrplanauskunft

Das bulgarische Kursbuch ist als Taschenausgabe an größeren Bahnhöfen erhältlich, in welchem alle Züge, jedoch nicht alle Stationen enthalten sind. Es ist allerdings in kyrillischer Schrift verfasst. Die wichtigsten Strecken sind auch im Europa-Kursbuch der Deutschen Bahn enthalten. Auf der Homepage der BDZ sind nur die Auslandsverbindungen aufgeführt. Diese enthält jedoch eine gute Streckenkarte des Eisenbahnnetzes.

Essen

Die bulgarische Küche ist deftig und gut gewürzt. Wenngleich sich Fast-Food und Wiener Schnitzel allenthalben breit gemacht haben, sollte man das preiswerte Vergnügen einer Restaurantbesuches mit landestypischer Küche nicht versäumen. Eine gute warme Mahlzeit einschließlich Getränk kostet nicht mehr als 10 Lewa.

Lebenshaltungskosten

Sehr niedrig. Eine Übernachtung in einer Privatpension ("Chotel") kostet ca. 10-20 Lewa, nur in Stadthotels ist es teurer. Lebensmittel sind, sofern es sich nicht um Importware handelt, ebenfalls sehr preiswert. Ein Brot kostet nur wenige Stotinki. Die Versorgung mit Lebensmitteln ist überall im Land gewährleistet.

Währung

1 Lewa = 100 Stotinki.
1 Lewa = 0,50 Euro
Der Lew ist an den Euro gekoppelt. Vorsicht, wenn man altes Geld mit vielen Nullen bekommt - dies ist nicht mehr gültig.

Zelten:

Campingplätze sind außerhalb der Küstenregionen recht selten. Allerdings ist in abgelegenen Gegenden, insbesondere im Gebirge, auch das Ausrollen des Schlafsacks in freier Wildbahn problemlos möglich. Zudem bieten sich als Alternative die preiswerten Privatpensionen an.

Schöne Orte:

Die Hauptstadt Sofija ist nur bedingt empfehlenswert - ein völliges Chaos. Malerisch und mit der Bahn gut erreichbar ist in jedem Falle das auf sieben Hügeln erbaute Plovdiv mit Relikten sogar aus der Römerzeit, die alte Hauptstadt Veliko Tarnovo an der Transbalkan-Strecke südlich vom Bahnknoten Gorna Orjahovitza (der Zug fährt in einem Tunnel genau unter der terrassenartig in eine Flussschleife gebaute Stadt hindurch, siehe Foto)
sowie die z.T. schon orientalisch anmutenden Städtchen an der Rhodopen-Schmalspurbahn. Das bulgarische Wahrzeichen, das Rila-Kloster im gleichnamigen Gebirge, erreicht man vom Bahnhof Blagojevgrad, Schnellzugstation an der Strecke von Sofija über Kulata ins griechische Thessaloniki, mit dem Taxi. Preis (vorher aushandeln!) für ca. 30 Lewa. Daneben werden organisierte Ausflugsfahrten mit dem Bus ab Sofija angeboten. Die übrigen bulgarischen Städte sind meist von sozialistischer Achitektur und Beton geprägt und zeigen allenthalben Verfallserscheinungen.
Bei schlechtem Wetter kann das bei sensiblen Gemütern rasch zu schlechter Laune führen.

Einreise:

Für die meisten Bürger Europas genügt der Reisepaß, der bei der Ein- und Ausreise abgestempelt wird.

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